„PLANUNG IST ALLES!“ - TESTPILOTEN IM EINSATZ BEI REGEN UND MINUSGRADEN

Lastenrad testen? Klar, würde ich gerne! Da bleibe ich fit und helfe nebenbei noch, die Luftqualität in meiner Stadt zu verbessern. Außerdem ist das für mein Unternehmen eine wirkliche Alternative. Aber muss das denn bei Wind und Wetter sein? Kommt man mit den Dingern überhaupt durch den Schnee? Sind die nicht nur für den Sommer geeignet? Diese Fragen bekommen wir oft von Interessierten. Was die meisten nicht wissen: Das Lastenrad ist ein Transportmittel, das rund ums Jahr genutzt werden kann. Es bietet im Winter sogar einige Vorteile gegenüber anderen Verkehrsmitteln. Wichtig ist nur, auf alle Wetterlagen gut vorbereitet zu sein.

Um Ihnen hilfreiche Tipps zu geben, hat das „Ich entlaste Städte“ Team einige der Testpiloten gebeten, ihre persönlichen Erfahrungen beim Fahren unter widrigen Witterungsbedingungen zu schildern: vom Möbelrestaurateur an der wetterlaunischen Ostsee-Küste, über den erfahrenen Radler aus der verregneten Hauptstadt bis hin zum Musiker aus dem winterlichen Bayern.

Fazit: Alles halb so wild! Unsere Testpiloten verraten Ihnen hier ihre ganz persönlichen Praxistipps.

Mit den Praxistipps unserer Testpiloten bleibt der Spaßfaktor auch bei Minusgraden hoch

Wind, Regen und Schnee: das 1 x 1 der Gegenmittel

Poncho

  • Je nach Länge bleiben Arme und Beine trocken.
  • Eignet sich nur für kurze Strecken, da er auf Dauer zu viel Windwiderstand bietet.

Regenjacke/Regenhose

  • Bei kurzen Strecken reicht eine wasserfeste Jacke.
  • Bei längeren Strecken lohnt sich eine Jacke mit atmungsaktiven Fasern.
  • Aufgrund der Sitzposition auf dem Rad sollte die Jacke am Gesäß und an den Armen. länger geschnitten und atmungsaktiv sein.
  • Ein hoher Hosenbund und ein enger Schnitt sind vorteilhaft, damit die Hose nicht in die Kette gerät.
  • Auch lohnt es sich bei der Kleidung auf reflektierende Elemente zu achten, um die Sichtbarkeit im Dunkeln zu erhöhen.

Gamaschen

  • Gamaschen schützen Schuhe und Füße vor aufwirbelndem Schmutz, Nässe und Kälte.
  • Sind schnell ablegbar.

Handschuhe

  • Handschuhe schützen gegen den rauen Fahrtwind.
  • Zu dickes Material kann die Bremsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Fäustlinge sind eine gute Alternative.

Radhelm

  • Für Helmträger halten ein dünnes Stirnband oder eine Unterziehmütze unter dem Helm die Ohren warm.
  • Ein wasserdichter Helmüberzug ist vorteilhafter als eine Kapuze, da er atmungsaktiver ist und die Sicht nicht einschränkt.

Sattelüberzug

  • Hält den Sattel zwischen den Touren-Stopps trocken.
  • Er ist schnell verstaut.

Fahrradlampe

  • Sehen und gesehen werden ist besonders in der dunklen Jahreszeit wichtig.
  • Extra LED Lampen am Lastenrad verhelfen zur besseren Sichtbarkeit und erhöhen den Fahrkomfort.
  • Farbenfrohe Kleidung und Reflektor-Materialien helfen, früher gesehen zu werden.
  • Eine weitere Alternative ist die Warnweste.

Petrus’ Launen effektiv kontern: Praxistipps unserer Testpiloten

David Rohr, ein Möbelhändler- und Restaurateur aus Altenholz, verlässt sich zum Beispiel auf die Vorzüge, die das digitale Zeitalter bietet. Mit einer Regenradar-App auf seinem Smartphone kann er absehen, wann der nächste regenfreie Zeitraum für seine geplante Tour ist. „Planung ist einfach alles!“, so Testpilot Rohr. „Denn bei uns in der Region rund um Kiel ist das Wetter durch die Küstenlage besonders wechselhaft. Da ist das beste Werkzeug ein Regenradar! Technisch ist das wunderbar, man ruft bequem den Radar auf und sieht standortgenau, wann und in welchen Mengen Niederschlag fällt. Damit kann man heutzutage auf ungefähr 10 Minuten genau voraussehen, wann es regnet und wann nicht. Mittlerweile kann ich dank Radar treffsicher einschätzen, wann ich losfahren sollte. Und wenn vorhergesagt wird, dass der nächste Schauer nur aus Nieselregen besteht, fahre ich trotzdem direkt los. Dann reicht meine Regenjacke aus.“

David Rohr verlässt sich auf die Regen-Radar App (© David Rohr)

Feliks Aleksander aus Berlin hat durch seinen Job als Fahrradkurier bereits einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Wind und Wetter auf dem Zweirad. Seine Geheimwaffen heißen Zwiebelprinzip und Reißverschlüsse. Zusätzliche Anschaffungskosten entstehen dabei nicht. „Selbst Autobegeisterte haben schon die passenden Klamotten im Schrank, um das Lastenrad bei Wind und Wetter zu nutzen! Denn auf dem Lastenrad ist man wegen des Gewichts nicht sportlich unterwegs, sodass man mit normalen Winterklamotten gut eingepackt und geschützt ist.“, so Feliks. Sein erprobtes Lastenrad-Outfit besteht gemäß Zwiebelprinzip aus mehreren Schichten. Für die unteren Schichten bevorzugt er dünne und geschlossene Kleidungslagen. Darüber zieht er zwei Jacken. Bei diesen sind Reißverschlüsse ein wichtiger Clou. Denn sie bieten ihm schnelle Flexibilität: „So kann ich bei Bedarf ganz schnell eine Schicht ablegen und sie in der Transportbox verstauen. Für Helmträger sind Reißverschlüsse auch ein Vorteil, da sie ihren Helm beim Umziehen nicht erst abnehmen müssen. Komplementiert wird das wetterfeste Outfit des Berliners durch eine Hardshell-Hose und –Jacke Anm. d. Red. Hardshell Bekleidung besteht aus Hightech-Materialien und ist darauf ausgelegt, auch bei dauerhaftem Regen nicht undicht zu werden die eine rein regenabweisende Funktion haben. Und an besonders kalten Tagen durch eine zusätzliche, wärmende Weste. „Damit kann ich bei jedem Wetter problemlos fahren!“, so Feliks.

Besonders begeistert war Feliks von den unerwarteten Vorteilen des Lastenrads gegenüber seinem üblichen Kurierfahrrad. „Es war super, dass man auf dem Cargobike immer trockene Füße behält! Denn durch die Bauweise ist das Vorderrad so weit entfernt von Lenker und Sattel, dass die Pfützenspritzer gar nicht erst an die Füße kommen. Das war wirklich ein großer Vorteil! Ich habe nur Regenjacke und -hose benötigt.“ Auch die wetterfeste Transportbox des Rads ist seiner Meinung nach das perfekte Beispiel für den beliebten Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!“. „Ich war positiv überrascht, wie gut die funktioniert hat. Die Kiste war immer komplett trocken. Und neben den Paketen gab es immer noch genug Platz für meine Regenkleidung, wenn ich sie grad nicht brauchte oder ablegen wollte. Dafür ist das Lastenrad schon genial. Und im Gegensatz zum Auto ist man auf dem Lastenrad ständig in Bewegung und ist bei seinen Lieferungen nicht ständig an den Autositz gefesselt. Mit dem Lastenrad macht das viel mehr Spaß.“

„ES WAR SUPER, DASS MAN AUF DEM CARGOBIKE IMMER TROCKENE FÜSSE BEHÄLT! DENN DURCH DIE BAUWEISE IST DAS VORDERRAD SO WEIT ENTFERNT VON LENKER UND SATTEL, DASS DIE PFÜTZENSPRITZER GAR NICHT ERST AN DIE FÜSSE KOMMEN.“

Unser nächster Testpilot: Ein Musiker der Knabenkapelle Dachau e. V. , der im Münchener Umland das Lastenrad-Testangebot für den Transport von Instrumenten und Bühnenequipment nutzt – und jetzt erst recht bei jedem Wetter. „Das Projekt „Ich entlaste Städte“ war für mich ein konkreter Anstoß, bei winterlichen Witterungsbedingungen längere Strecken zu fahren. Das ist viel angenehmer und nachhaltiger, als E-Gitarre und Co. mit Auto oder S-Bahn zu transportieren. Auf dem Lastenrad bin ich viel freier unterwegs, und ich habe die zurückgelegten Strecken auch viel bewusster erlebt als im Auto.“ Nur die Transportbox seines Lastenrads könnte seiner Meinung nach optimiert werden. „Meine Instrumente sind sehr kälteempfindlich. Eine regenfeste Thermo-Kiste, die obendrein gefedert ist, wäre da perfekt! Ich habe bereits einige Thermo-Kisten im Fachhandel gesehen, der Markt dafür wächst also.“

Das Zwiebelprinzip ist auch bei ihm die favorisierte Methode, warm und trocken am Ziel seiner Lastenradtour anzukommen. Der Musiker ist für eiserne Temperaturen bestens gerüstet: Neben den mehrlagigen Schichten am Oberkörper empfiehlt er Fäustlinge. „Wenn es richtig kalt ist habe ich lieber Fäustlinge an, denn die sind groß, und damit kann man trotzdem sehr gut bremsen. Durch die Bewegungsfreiheit bleiben die Hände schön warm.“ Ein weiteres Accessoire, das dem Dachauer Testpiloten die längeren Strecken im Winter erleichtert, ist seine Schneebrille. Bei starkem Regen und Schnee sei sie unentbehrlich für den Fahrkomfort und die Sicherheit. „Die Schneebrille verhindert, dass meine Sicht eingeschränkt wird, da ich nicht mehr so oft blinzeln muss. Es ist dann fast so, als ob man bei heiterem Sonnenschein fährt. Das ist sehr angenehm, fast schon ein Luxus.“ Auch zu Regen hat der Testpilot eine klare Meinung: „Meine Philosophie ist: immer auf alles gefasst sein. Wenn es absehbar ist, dass es regnet oder schneit, habe ich bereits den passenden Überzug in meiner Transportbox dabei.“

Schnee wird auf dem Lastenrad zum Vorteil

In einer Sache sind sich alle drei Testpiloten schnell einig - Schnee und Glätte ist auf dem Lastenrad gar kein Problem. Im Gegenteil: Durch die Stabilität des Lastenrads und die breiteren Räder kann man problemlos durch mehrere Zentimeter hohen Schnee fahren. Man fährt einfach etwas vorsichtiger und langsamer. Besonders das dreirädrige Modell bietet laut David Rohr ein maximal sicheres Fahrgefühl, selbst auf glattem Kopfsteinpflaster.

Auch der Fahrradkurier Feliks Aleksander ist davon überzeugt, dass das Lastenrad immer einsetzbar ist. „Zu Beginn sollte man den Lernprozess nicht unterschätzen, aber sobald man eingefahren ist, sollte man sich unbedingt trauen, das Lastenrad bei allen Witterungsbedingungen zu fahren.“ Der Schnee bringt sogar Vorteile mit sich. „Mit dem Lastenrad walzt man einfach über den schneebedeckten Boden. Das bietet sogar einen gewissen Spaßfaktor, da man ähnlich wie beim Auto kontrolliert driften kann. Auf einem normalen Fahrrad würde man bei eisigen Temperaturen mit fünf Stundenkilometern dahinschleichen, um sicherzugehen, dass man nicht ausrutscht. Auf dem Cargobike ist das Fahrgefühl bei jeder Witterungsbedingung stabil und sicher“, erklärt der Musiker. Es überrascht daher nicht, dass er seine bislang längste Tour auf dem Lastenrad – nämlich die 20 Kilometer von Dachau nach München – bei Schnee gefahren ist. „Das hat alles wunderbar funktioniert und war sehr schön.“

Fazit: Der Spaßfaktor bleibt hoch

Die Praxiserfahrungen unserer Testpiloten zeigen: Das Lastenrad ist nicht nur ein pedalbetriebenes Kraftpaket, sondern ist auch bei jedem Wetter einsatzfähig. Dass der Spaßfaktor auch bei Minusgraden hoch bleibt, bestätigt unser bayerischer Testpilot: „Meine Lastenradfahrt durch die Schneelandschaft war so idyllisch, dass ich alle Autofahrer bemitleidet habe. Denn ich hatte ein super Freizeitfeeling, obwohl ich ja bei der Arbeit war! Und da es kaum andere Verkehrsteilnehmer gab, war es auch sehr entspannt.“

Auch Feliks Aleksander betont die Vorteile des Lastenrads bei schwierigeren Witterungsbedingungen: „Als ich wieder auf mein normales Kurierrad umgestiegen bin, war die Lenkung zuerst ganz wacklig, weil ich mich so an die Stabilität des Lastenrads gewöhnt hatte. Generell fährt man bei widrigen Witterungsbedingungen allein durch das Gewicht des Lastenrads viel stabiler und gelassener.“

Und für alle, die trotzdem lieber die ersten Sonnenstrahlen für den Lastenradtest abwarten: Der Frühlingsanfang rückt immer näher. Damit Sie pünktlich zur wärmeren Jahreszeit selbst als Testpilotin oder Testpilot im Sattel sitzen, können Sie jetzt hier Ihre Bewerbung ins Rennen schicken!

Infobox

Tipps für wetterfeste Testpiloten

  • Für längere Strecken eignet sich das Schichtenmodell oder das sogenannte Zwiebelprinzip: durch mehrere Lagen Kleider wird mehr Körperwärme gespeichert. Radprofis empfehlen drei Schichten aus verschiedenen Materialien. Über eine Schicht aus Merino-Wolle kommt ein Kleidungsstück aus synthetischem Material als Mittelschicht. Darüber kommt die wasserfeste Regenjacke zum Einsatz.
  • Während der dunklen Jahreszeit ist gute Sichtbarkeit ein Muss! Dies kann durch farbenfrohe Kleidung, Reflektoren oder extra Licht in Form von LED-Lampen erreicht werden.
  • Haushaltsgegenstände können auch schnelle Abhilfe schaffen: Alufolie auf die Innensohle der Schuhe macht warme Füße.
  • Merino-Wolle ist ein echter Wärmehalter, da sie durch ihre Struktur viel Wärme speichert. Sie ist daher das perfekte Material für Unterwäsche, Unterhemden, Socken und Co.
  • Schon gewusst? Seit 2012 findet jährlich der internationale „Winter Cycling Congress“ statt. Hier kommen Experten aus der ganzen Welt zusammen, um Infrastrukturmaßnahmen, Technologietrends und die Radverkehrsförderung zu diskutieren - rund um das Thema Fahrradfahren im Winter.