Emissionen, Zeit und Nerven gespart: Lastenräder für 3B.
Die Firma 3B Dienstleistung Deutschland in Berlin erbringt Gebäudedienstleistungen, wofür oft traditionell meist Auto oder Lieferwagen eingesetzt werden. Das ist im Stadtverkehr oft zeitraubend, weswegen das Unternehmen auf klimafreundliche, innovative Mobilitätskonzepte umsteigen will. Das rund 3.000 Mitarbeitende starke Unternehmen 3B testete bei Ich entlaste Städe 2 deshalb eine breite Auswahl an Lastenräder und Leichtelektromobile, um herauszufinden, welche Modelle sich ideal für ihre Einsatzwecke eignen. Zudem fragte ein Kunde des Unternehmens gezielt den Einsatz eines nachhaltigen Fuhrparks an – hier konnte 3B dank eines Lastenrades punkten.
Das Ergebnis: Wenn motivierte Mitarbeitende auf Lastenrad-taugliche Einsatzszenarien treffen und dafür die passenden Fahrzeuge bereitstehen, können Lastenräder Pkw und Kleintransporter ersetzen. Allerdings war nicht jede Nutzungsidee vom Start weg erfolgreich – manchmal stellte sich der Erfolg erst nach Änderungen von Aufgabe, Einsatzgebiet, Fahrzeug und Team ein. Das zeigt: Ein engmaschiges Monitoring und intensive Begleitung beim Lastenrad-Einsatz und laufende Optimierungen können sich bei der Integration auszahlen.
Nach Abschluss des Tests wurden drei der insgesamt sechs getesteten Lastenräder gekauft: zwei Schwerlastenräder Radkutsche Musketier mit Planenaufbau sowie ein Long-Lohn-Lastenrad Larry vs. Harry eBullitt.
Nutzungsprofil: Außenreinigung und Hausmeisterdienste
- Einsatzzwecke:
- Reinigung von Grau- und Grünflächen: Hier setzt 3B die Radkutsche Musketier ein. Von Vorteil ist, dass mit dem Lastenrad Gewerbeflächen, Hinterhöfe, Gehwege und Rasen- bzw. Schotterflächen direkt angefahren werden können – ohne Parkplatzsuche und mit weniger Fußwegen. Das spart Zeit. Mit dem Fahrrad wird deshalb teils bis zu 50 % mehr Arbeit als mit dem Pkw geschafft.
- Hausmeisterdienste für Apartment-Hotels: Das kompakte Long-John-Lastenrad eBullitt ist wendig, tiefgaragentauglich und bietet genug Transportkapazität. Der Auftraggeber setzt stark auf Nachhaltigkeit, weswegen für 3B die Nutzung eines Lastenrades eine sehr gute Wahl ist, um gleichzeitig dem Kundenwunsch zu entsprechen und wirtschaftlich zu arbeiten.
- Tagesfahrleistungen: an Nutzungstagen je nach Lastenrad und Einsatzzweck zwischen 4 und 8 Kilometern, jedoch teilweise mit vielen Stopps.
- Einsatztage: mit 3 bis 4 Einsatztagen pro Woche sind die Lastenräder fast jeden Tag im Einsatz.
- Weiterer Fuhrpark: zahlreiche Pkw und Nutzfahrzeuge.
Vorteile für 3B
Zufriedene Kunden
Wenn Unternehmen mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch die Nutzung von nachhaltigen Fahrzeugen anfragen, sind für Auftragnehmer Lastenräder ideal: Die Anschaffungs- und Betriebskosten sind in der Regel wesentlich niedriger als für elektrisch angetriebene Pkw oder Kleintransporter. 3B konnte dank eines Lastenrades dem Kundenwunsch einer Aparthotel-Kette entsprechen und setzt das Rad für Hausmeisterdienste ein.
Mobil auch ohne Führerschein
Bislang waren für einige Hausmeister- und Außenreinigungstätigkeiten ein Pkw-Führerschein eine zwingende Einstellungsvoraussetzung. Für Lastenrad-geeignete Tätigkeiten und Fahrprofile kann das Unternehmen nun Mitarbeitende flexibel einsetzen, ganz gleich, ob diese einen Führerschein haben oder nicht. Das erleichtert erstens das Recruiting und zweitens die Schichtplanung.
Vollständiger Pkw-Ersatz
Die von 3B übernommenen Lastenräder ersetzen jeweils die Neuanschaffung eines Pkw bzw. Hochdachkombis.
Niedrige Kosten
Bei 3B liegt die tägliche Fahrleistung bei 4 bis 8 Kilometern. Hier sind die niedrigen Anschaffungs- und Fixkosten von Lastenrädern im Vergleich zu Pkw ein sehr großer Vorteil: Versicherung, Wartung und Verschleißkosten sind bei Lastenrädern wesentlich preisgünstiger als bei Pkw oder Transportern.
Experimentieren lohnt sich
Im Rahmen der Lastenradberatung vor dem Test wurden in enger Absprache mit 3B passende Fahrzeuge herausgesucht – die sich in der Praxis jedoch nicht immer bewährten.
Auf die Mitarbeitenden kommt es an
3B wollte Lastenräder für Treppenhausreinigung-Teams einsetzen. Im Alltag zeigte sich, dass die Mitarbeitenden mit den Lastenrädern in ihren Einsatzgebieten nicht glücklich waren und sie nicht nutzten. Es fanden sich keine Mitarbeitenden, die einerseits gut in der Aufgangsreinigung und zweitens Interesse an der Nutzung von Lastenrädern haben.
Anders sah es bei den alternativen Einsatzgebieten aus: Hier konnten andere Mitarbeitende gewonnen werden, die gern mit den Lastenrädern fahren. Interessant daran ist, dass diese Mitarbeitende einen Führerschein haben und gern Auto fahren; dennoch – oder gerade deswegen – schätzen sie die Vorteile eines Lastenrads als Arbeitsgerät.
Tipp: Binden Sie Ihre Mitarbeitenden in die Auswahl der Lastenrad-Modelle ein. Es ist nicht vorhersehbar, welche Mitarbeitenden mit welchen Modellen zurechtkommen oder nicht.
Eine Nummer kleiner passte besser
Für Hausmeisterdienste der betreuten Aparthotel-Gruppe wurde das Schwerlastenrad ONO ausgewählt, da es sehr guten Wetterschutz und eine große Transportbox bietet. In der Praxis gab es jedoch ein Problem: Eine Liegenschaft hat eine Tiefgarage, und die Steigungen dort waren für die ONO zu stark. Daraufhin wurde die ONO gegen ein deutlich kleineres einspuriges eBullitt getauscht. Das war möglich, weil der Bedarf an Transportkapazität im Vorfeld überschätzt wurde. Das eBullitt genügte in der Praxis vollauf. Mit dem kleineren Lastenrad ist 3B sehr zufrieden – es wurde nach dem Test gekauft. Die ONO überzeugte hingegen andere Unternehmen; zum Beispiel die Stadtwerke München kauften ihr Testfahrzeug.
Lastenräder passen nicht immer
3B plante zudem, die herbstliche Laubentsorgung bei den betreuten Liegenschaften per Lastenrad zu bewältigen. In der Praxis stellte sich die Transportkapazität als zu gering heraus. Ein ebenfalls getesteter Elektro-Kleintransporter mit Pritsche überzeugte aufgrund der besonders im Winter reduzierten Reichweite von rund 80 Kilometern ebenfalls nicht. Für diese saisonale Spezialaufgabe nutzt 3B nun wie bisher externe Dienstleister oder eigene, größere Fahrzeuge.
Das zeigt, dass im Lastenrad-Auswahlprozess „Mut zur Lücke“ eine gute Idee sein kann: Ein Lastenrad muss nicht alle Transportaufgaben abdecken, wenn manche Aufgaben nur sehr selten auftreten – und sich diese Spitzen anderweitig auffangen lassen. So ist es möglich, kompaktere, wendigere und preisgünstigere Lastenräder zu nutzen.
Fazit
In großen Unternehmen mit vielen Aufgabenbereichen und Mitarbeitenden wie 3B ist die Einflottung von Lastenrädern genauso einfach oder schwer wie bei kleinen Unternehmen: Letztlich kommt es vor allem darauf an, dass die Mitarbeitenden sich mit der Nutzung der Lastenräder wohl fühlen und damit gerne fahren. Wenn sich nach einer Einflottung bestimmte Annahmen als falsch herausstellen, lohnt es, sich am Ball zu bleiben: Mit ein wenig Prozess-, Fahrzeugauswahl- und Teamoptimierungsehrgeiz lassen sich fast immer interessante Einsatzwecke finden oder schaffen.
Mehr dazu auch in einem Artikel von 3B und in einem Beitrag im Inforadio des RBB.


