
Mit sperriger Fracht erfolgreich unterwegs.
Lassen sich Lastenräder bei Tiefbauunternehmen einsetzen? Ja! Dann auch in der Baubranche gibt es Tätigkeiten, für die sich ein Lastenrad besser eignet als ein traditionelles Nutzfahrzeug – denn Lastenräder erfordern keinen Führerschein. So lassen sich manche Tätigkeiten gebündelt an führerscheinlose Hilfskräfte übergeben, wodurch sich die voll ausgelastete Stammbelegschaft auf die Kerntätigkeiten konzentrieren kann.
Im Langzeittest setzte F&G Fernmeldemontagen aus Leipzig erfolgreich ein Gespann aus einem Long-John-Lastenrad eBullit L und einem Carla-Cargo-Anhänger für das Aufstellen von Baustellenschildern ein – und kaufte das Testfahrzeug im Anschluss.
Nutzungsprofil: Transport und Aufstellen von Beschilderung
- Aufgabe: 72 Stunden vor Baustellenbeginn müssen Verkehrsschilder nach Beschilderungsplan aufgestellt werden. Bisher wurde diese Aufgabe von Tiefbau-Fachkräften erledigt, denen durch zusätzliche Fahrten und Umwege Zeit fürs Kerngeschäft fehlte. Im umorganisierten Arbeitsablauf übernimmt das Aufstellen der Schilder nun eine Hilfskraft, die die Schilder mit einem Lastenrad plus Anhänger transportiert. Da kein Führerschein erforderlich ist, ist der potenzielle Bewerber-Pool deutlich größer.
- Fracht: Verkehrsschilder mit Standfüßen. Jedes Schild besteht aus 3 Gummifüßen zu je 27 kg plus Vierkantrohr, Verkehrsschild und Metallklammern. Der Hersteller des Fahrrad-Anhängers gibt für die Variante mit Planen-Aufbau eine maximale Nutzlast von 181 Kilogramm an.
- Besonderheit: Der Anhänger Carla Cargo bietet eine Ladelänge von maximal 1,65 Metern, die Vierkantrohre der Verkehrsschilder sind jedoch 3 Meter lang. Deshalb wurden die Rohre angepasst – 40 Rohre machte F&G absteckbar, damit sie in den Anhänger passen.
- Weiterer Fuhrpark: 17 Fahrzeuge, davon 7 Renault-Transporter für Beschilderungsaufgaben. Diese Transporter legen dank der Integration des Lastenrads nun weniger Strecken zurück.
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Lastenrad-Vorteile für F&G
Fachkräfte entlasten
Bisher stellten Tiefbau-Fachkräfte nebenbei die Schilder auf – und das stets an einer zweiten Baustelle, da die Beschilderung 3 Tage vor Baubeginn aufgestellt werden muss. Das bedeutete Umwege zwischen Baustellenbesuchen und damit verlorene Arbeitszeit. Mit dem Lastenrad-Gespann übernimmt ein Minijobber gezielt diese Aufgabe. Dadurch haben die Fachkräfte mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben.
Fahrzeugkilometer einsparen
Die voraussichtliche Jahresfahrleistung von 2.500 bis 3.000 Kilometern mit dem Lastenrad reduziert die Fahrleistung der 7 Renault-Transporter entsprechend. Das spart Kraftstoff- und Verschleißkosten.
Flexibler Personaleinsatz
Für die Beschilderung mit dem Lastenrad ist kein Führerschein erforderlich. F&G kann daher Hilfskräfte für diese Aufgabe einsetzen, anstatt qualifizierte Fachkräfte zu binden.
Ausgliederung eines Tätigkeitsfeldes: Neuer Use-Case
Waren bislang Fachkräfte für das Aufstellen der Baustellenbeschilderung zuständig, konnte durch die entsprechenden Anpassungsmaßnahmen der Vierkantrohre die Tätigkeit ausgegliedert und explizit an eine allein dafür zuständige Person für Baustellen im Nahbereich zugeordnet werden. Durch eine solche Umstellung der operativen Arbeiten und der betrieblichen Logistik kann die Hilfskraft nun selbstständig und flexibel die Arbeiten fristgerecht ausführen. Die Ausgliederung dieser Tätigkeit erlaubte es F&G, entsprechende Hilfskräfte anzuwerben. Das zeigt, dass der Einsatz von Lastenrädern auch in Gewerken möglich ist, die eher mit großen Transportkapazitäten arbeiten. Die Voraussetzung dafür ist, dass man Zeit in Ideenfindung, Umstellung und Integration investiert.
Praxiserfahrung: Reichweite beachten

Die Reichweite je Akkuladung von E-Lastenrädern wird seitens der Hersteller für den Normal-Betrieb angegeben. Der Gespann-Betrieb mit schwerer Fracht reduziert jedoch die Akku-Reichweite deutlich – im Extremfall bei F&G auf nur 35 km, was für manche Arbeitstage zu wenig war. F&G benötigte deshalb einen zweiten Akku. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein Gespann aus Lastenrad und Anhänger einsetzen wollen, sollten Sie die reale Reichweite für Ihr Beladungsprofil in einem Test ermitteln. Der Anhänger Carla Cargo im Test war die Variante ohne eigenen Antrieb. Es gibt jedoch auch Anhänger mit integriertem E-Motor.
Fazit
F&G–Fernmeldemontagen beweist: Auch schwere und sperrige Güter lassen sich erfolgreich per Lastenrad transportieren. Entscheidend sind hier die Anpassung der Fracht an die Transportkapazität sowie realistische Reichweiten-Tests im Gespann-Betrieb. Das Unternehmen spart nicht nur Fahrzeugkosten und qualifizierte Arbeitszeit – es macht sich auch flexibler beim Personaleinsatz und entlastet gleichzeitig die Leipziger Innenstadt. Durch den erfolgreichen Einsatz plant F&G nun sogar die Anschaffung eines weiteren Lastenrads um weitere Tätigkeiten wie den Abbau von Baustelleneinrichtungen, bspw. Plastikzäune, emissions- und führerscheinfrei durchzuführen.








