Aufbauten, Einbauten, Ladungssicherung

Auf einem Radweg fahren hintereinander vier Lastenräder: Mit Transportkoffer vorne oder hinten, mit zwei, drei oder vier Rädern
Credits: DLR / Amac Garbe

Damit Unternehmen Fahrzeuge im Betriebsablauf bestmöglich einsetzen können, sind neben der Fahrzeugwahl die Wahl der Auf- und Einbauten sowie ein entsprechendes Ladungssicherungssystem essenziell. Diese drei Komponenten können maßgeblich zur Funktionalität, Sicherheit und Effizienz des Lastenrads beitragen.

  • Aufbauten sind Konstruktionen, die in der Regel vorne oder hinten am Rad fest montiert werden, um Güter darin zu transportieren. Die Vielfalt der Aufbauten ist groß. Typischerweise werden Boxen aus Holz oder Polyurethan verwendet.
  • Einbauten sind bspw. Regalsysteme oder Halterungen, um Material oder Werkzeug zu organisieren und zu fixieren.
  • Ladungssicherung betrifft Maßnahmen, um vielfältige Transportgüter zu fixieren und Schäden zu verhindern.

Dieser Leitfaden gibt Unternehmen eine Übersicht über Arten und Stärken von verschiedenen Aufbauten, Einbauten und Ladungssicherungssystemen.

Die hier zusammengefassten Informationen basieren auf Erfahrungen aus dem Projekt Ich entlaste Städte 2, Interviews mit Expertinnen und Experten von Unternehmen aus der Branche, Produktrecherchen sowie Wissen von cargobike.jetzt.

Brauchen Branchen besondere Auf- und Einbauten?

In der Regel sind Unternehmen mit den marktüblichen Boxen, Koffer- oder Planenaufbauten zufrieden. Es gibt zudem gute Anbieter für individuelle Aufbauten. Aufnahmepunkte für die Ladungssicherung sind teils ab Werk erhältlich, lassen sich aber auch nachrüsten  – was im Test teils veranlasst wurde. Regal-Einbauten sind ebenfalls möglich; diese wurden im Test teils speziell angefertigt.

Aufbauten im Überblick

Delta Heat: Lastenrad-Transportbox perfekt ausgenutzt,

Für die Wahl des richtigen Aufbaus sollten Haupteinsatzzweck und die entsprechenden Anforderungen im Vorhinein definiert werden. Wichtige Parameter sind

  • Gewicht
  • Volumen und
  • Länge

der zu transportierenden Güter.

Bei diesen Überlegungen ist es ratsam, von alltäglichen Fahrten bzw. Transportgütern auszugehen. Eine Abwägungsentscheidung ist erhöhter Transportbedarf, der selten benötigt wird: Wie oft muss bspw. ein großer Industriestaubsauger mit dem Lastenrad transportiert werden? Tritt dieser Fall selten auf, dass diese Fahrten mit einem anderen Fahrzeug geleistet werden können? Kann der Staubsauber beim Kunden deponiert werden? Kann ein kompakterer Staubsauger beschafft werden? Oder muss der große Staubsauger ins Lastenrad passen? Denken Sie intensiv über diese Frage, machen Sie Probefahrten und entscheiden Sie sich dann für den passenden Aufbau.

Für Aufbauten gilt:

  • Bei Boxen- bzw. Koffer- Aufbauten sind Unterteilungen im Innenraum möglich
  • Die meisten Hersteller halten sich an Normierungen, bspw. als Grundmaß die Euroboxen
  • An Aufbauten sind auch die äußeren Flächen auch nutzbar, bspw. mit seitlichen Halterungen oder Ablagefläche oben – wie eine „Dachreling“ auf einer Long-John-Transportbox als Zurrmöglichkeit für eine kleine Leiter

Geschlossen: Box- oder Kofferaufbau

Box- bzw. Kofferaufbauten sind sinnvolle Aufbauten, wenn das Transportgut vor der Witterung geschützt sein soll und die Möglichkeit zum Abschließen wichtig ist. Die Maße der Box/des Koffers stellen jedoch auch eine Beschränkung der Abmessungen der Transportgüter dar. So ist der Transport bspw. sehr langer Gegenstände ggf. limitiert. Mithilfe äußerer Halterungen kann dieses Problem umgangen werden. Um die Einsatzmöglichkeiten bei diesem Aufbautyp zu erweitern, können also zusätzliche Halterungen oder Einbauten wie Ablagefächer sinnvoll sein.

Ob die Box bzw. der Koffer vorne oder hinten am Lastenrad verbaut ist, ergibt sich aus dem Lastenradtyp. Kofferaufbauten bei Long-Johns bieten in etwa das Volumen einen Kleinwagenkofferraums, große Kofferaufbauten von Schwerlastenrädern fassen teils ähnlich viel wie Kleintransporter. Diese kommen u.a. in der Last-Mile-Delivery bereits intensiv zum Einsatz.

Berliner Apotheker-Verein

Beim Typ Long John, also einspurigen Lastenrädern mit Transportbox vor dem Lenker, sind die Boxen für gewöhnlich von oben, wie im Bild, oder von der Seite zugänglich. Beim Zugriff von oben werden die Türen meistens aufgeklappt, während beim seitlichen Zugriff eher Schiebetüren zum Einsatz kommen, wie bspw. beim Urban Arrow Flightcase, bei dem der gesamte Deckel nach vorne geschoben wird. Der Vorteil ist hier die Zugänglichkeit von der Seite, bspw. um Werkzeug herauszunehmen. Erfahrungen aus kleinen Handwerksbetrieben mit ein bis drei Mitarbeitenden zeigen, dass die Wahl oft auf Long Johns mit Box fällt. Einsatzszenarien sind bspw. Anfahrten zu bereits mit Arbeitsmaterial belieferten Baustellen im (dicht verbauten) Stadtgebiet bzw. nahen Umkreis.

Dreiräder mit einem Hinterrad, wie sie bspw. im ersten Projekt von Ich entlaste Städte genutzt wurden und insbesondere von Privatleuten gern gekauft werden, gibt es mit Transportboxen zwischen den beiden Vorderrädern. Das Ladevolumen ist in der Regel größer als bei den Long-John-Boxen.

FULMO Kurierunion GbR

Schwerlastenräder wie im Bild oben die Radkutsche Musketier mit Muskebox haben in der Regel zwei Räder hinten, wodurch auch die Box hinten verbaut ist. Die Transportbox kann dadurch sehr hoch sein. Seltener sind Schwerlastenräder mit vorderer Box, wie das Urban Arrow Tender. Die Höhe der Box ist begrenzt, um das Sichtfeld der Fahrenden nicht zu versperren.
Diese Boxen verfügen neben der Hecktür oft auch über seitliche (Schiebe-)Türen. Die größten Kofferaufbauten ordert meist die Logistikbranche, mit Volumina von 1.500 bis 4.000 Litern. Fahrzeugbreiten unter einem Meter sind möglich. Doch auch für Handwerk und Dienstleistungen sind die großen Kofferaufbauten interessant, um große Mengen an Werkzeug und Material zu transportieren.

Die Türen sind normalerweise abschließbar. Gängige Materialien für die Aufbauten sind vor allem Aluminium, Holz, GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) sowie EPP (Expandiertes Polypropylen).

Teils offen: Plattform, Pritschen- und Planenaufbau

Radkutsche Musketier: dreirädriges Schwerlastenrad mit flexiblem Laderaum unter der Plane
Credits: DLR / Amac Garbe

Plattformen sowie Pritschen- und Planenaufbauten bieten durch das offene Design eine hohe Flexibilität bei großen oder sperrigen Transportgütern, aber auch die Möglichkeit bspw. Kisten zu stapeln. Es gibt sie für alle Lastenradtypen.

  • Eine Plattform ist einfach eine leere Transportfläche ohne Seitenwände
  • Bei einer Pritsche gibt es niedrige Seitenwände
  • Ein Planenaufbau kann flexibel mit und ohne Plane genutzt werden.
Longjohn mit Plattform und Gurtsicherung. Quelle: cargobike.jetzt

Plattformen eignen sich für loses Transportgut bis hin zum Transport von bestückten Paletten, die dann am Zielort einfach abgeladen werden können. Durch die geöffneten Seiten bei Plattformen ist auf die Ladungssicherung besonders zu achten. Hier eignen sich bspw. Netze und Gurte.

Pritschen, wie im Bild beim EAV, lassen sich ebenfalls besonders gut be- und entladen. Sie bieten Vorteile, wenn das Transportgut entweder gut verpackt ist oder keinen Wetterschutz benötigt, wie Mülltonnen oder Säcke mit Grünschnitt und Laub. Die Seitenwände schützen die Ladung vor dem Herausfallen. Pritschen können gut mit einer Plane kombiniert werden.

Lastenrad Radkutsche Musketier Enviolo (Pedelec) Pritsche 150 mit Plane-/Spriegelaufbau

Planenaufbauten, wie hier bei der Radkutsche Musketier, vereinen die Vorteile von Witterungsschutz und der Flexibilität eines offenen Designs. Zu beachten ist, dass diese kaum Schutz gegen Diebstahl bieten, bspw. wenn bei einem Kundenauftrag Werkzeug im Fahrzeug verbleibt.

Spezialaufbauten und Anhänger

Spezialaufbauten sind oft kreative und ausgeklügelte Umsetzungen von Aufbauten am Lastenrad, welche für ganz spezielle Bedarfe entwickelt wurden. Aus dem Stadtbild bekannt sind unter anderem Coffee Bikes, also Kaffee-Lastenräder.

Bei Anhängern gibt es vom Hersteller Hinterher gibt es eine Lösung für einen mobilen Marktstand. Ein Use-Case der bereits häufiger zu sehen ist, sind Anhänger für die Straßenreinigung mit extra Halterungen für Mülltonnen. Aus einer Zusammenarbeit zwischen Vileda, einem Vertreiber von Reinigungsprodukten, dem Erlebnisbad Tropical Island nahe Berlin und dem Fahrradladen Isicargo in Berlin wurden die Carla Cargo Anhänger als Reinigungsfahrzeuge auf dem Gelände etabliert.

F&G Fernmeldemontagen

Im Test war der Anhänger Carla Cargo mit Planenaufbau unter anderem erfolgreich bei F&G Fernmeldemontagen im Einsatz, um Baustellenschilder zu transportieren. Hierfür war kein Spezialanhänger erforderlich, allerdings wurden die Schilder an die Ladelänge des Anhängers angepasst, indem sie steckbar gemacht wurden.

Einbauten im Überblick

Einbauten können den Einsatz von Lastenrädern noch praktischer gestalten, jedoch ist der Nutzen vom Einsatzzweck abhängig. So ist ein Regalboden unter anderem sinnvoll, um bspw. Werkzeugkoffer schnell und ohne Umstapeln entnehmen zu können. Das Gegenbeispiel ist die Logistikbranche, in der Paketgrößen stark variieren, sodass Ablagefächer meist stören. Auch wer ein eigenes oder normiertes System aus stapelbaren Boxen nutzt, wie bspw. in der Lebensmittellieferung, kann auf Einbauten verzichten.

Bei Einbauten ist eine gute Systemplanung wichtig, um zu verhindern, dass im Nachhinein noch zusätzlicher Platz benötigt wird oder bestimmte Einbauten den Weg versperren.

Ablagefächer können in der Regel nachgerüstet werden und beliebig positioniert werden. Je nach Bedarf und Aufbau können Bohrungen notwendig sein oder Schubladen an verschiedenen Positionen platziert werden. Es kann ein Extra-Fach, das von außen zugänglich ist, angebracht werden, wobei Höhe und Breite individuell gestaltet werden können. Alternativ könnte eine Schublade in einem Kofferaufbau wie ein Ablagefach verbaut sein, das herausgezogen werden kann.

Je kleinteiliger und individueller das Transportgut ist, desto eher werden Ablagefächer und Schubladen gebraucht

Ladungssicherung im Überblick

Wie bei anderen Transportmitteln auch ist es beim Lastenrad wichtig, die Ladung zu sichern. Ab Werk sind oftmals Vorrüstungen zur Ladungssicherung vorhanden; eine Nachrüstung mit weiteren Zurrpunkten ist meist möglich. Wichtig ist, dass Zurrpunkte klar mit einer Belastbarkeit gekennzeichnet werden, damit Nutzende wissen, was und welches Gewicht daran befestigt werden kann.

Am Markt gibt es zahlreiche bewährte Produkte für die Ladungssicherung, die für jeden Fahrzeugtyp geeignet sind, weswegen für die meisten Einsatzzwecke keine Lastenrad-spezifischen Systeme nötig sind. Unternehmensindividuelle Lösungen können jedoch Sinn ergeben. Auf dem deutschen Markt ist AllSafe ein etablierter Hersteller, der vor allem Komponenten an Aufbauten-Herstellern liefert. Ein weiterer Anbieter ist Humbaur, der schwerpunktmäßig Lösungen für eine größere Stückzahlennachfrage fertigt.

Großes und/oder schweres Transportgut, wie Werkzeuge, Maschinen, Material und Fracht, sollten so verstaut werden, dass der Ladungsschwerpunkt tief liegt und bspw. mit Gurten und Airline-Schienen gesichert wird. Auch die Verteilung der Last ist zu berücksichtigen. Darüber hinaus können herkömmliche Haken o.Ä. bei Bedarf angebracht werden. In Ablagefächern oder kleineren Aufbauten kann bereits eine Rutschhemmung genügen, die mittels handelsüblicher Antirutschmatten realisiert wird.

Schienen und Ösen

  • Schienen bieten eine hohe Flexibilität beim Sichern der Ladung. Je nach Transportgut kann der Zurrpunkt passend eingestellt werden.
  • Ösen sind einzelne Befestigungspunkte, die normalerweise nicht verstellbar sind, sondern an einem Punkt verschraubt werden.

Die Kosten einer Schiene sind in der Regel höher als bei einfachen Zurrpunkten. Man kann jedoch sagen, dass durch die höhere Flexibilität die Vorteile von Schienen in der Transportpraxis überwiegen.

Meist können Schienen und Ösen leicht nachgerüstet werden. Dies ist unter anderem möglich, da Sicherungskräfte im Cargobike-Bereich niedriger sind als bei anderen Nutzfahrzeugen. Sie können einerseits geklebt oder verschraubt werden und an beliebiger Position angebracht werden. Die Schienen können auch direkt in den Boden integriert werden. Grundsätzlich gilt, dass der Einbau von Ladungsicherungssystemen während der Produktion etwas günstiger ist.

Die Belastbarkeit der (Airline-)Schienen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben der Schiene selbst, kommt es z.B. auch auf die Befestigungsbohrung an.

Laut dem Produktkonfigurator von AllSafe liegen die Belastbarkeiten der Airline-Schiene Light zwischen 350 und 800 kg.

Airline-Schienen

Airline-Schienen werden genutzt, um Spanngurte oder andere Befestigungselemente daran zu befestigen, die wiederum das Transportgut sichern. Am Befestigungselement sind an den Enden Verbindungsstücke, die in der Schiene am passenden Zurrpunkt eingehängt werden. Airline-Schienen sind flexibel einsetzbar, da die Befestigungselemente an verschiedenen Punkten angebracht werden können. Sie sind belastbar und können auch bei geringen Wandstärken eingebaut werden. Für den Einsatz bei Lastenrädern kommen Airline-Schienen Light oder Standard in Frage.

Im Bild ist der Laderaum des Leichtelektrofahrzeuges Cenntro 200 aus dem Projektfuhrpark zu sehen. Am Boden wurden der Länge nach verlaufende Airline-Schienen eingebaut. Es ist gut zu erkennen, dass die Gurte je nach Bedarf entlang der Schiene eingehängt werden können. Dabei kann der Gurt entweder wie im Bild von links nach rechts oder von vorne nach hinten entlang einer Schiene befestigt werden.

Stäbchen-Schienen

Bei Stäbchen Schienen werden die Gurte oder sogenannten Sperrstangen oder -balken durch einen anderen Mechanismus als bei Airline-Schienen eingehängt.

Gurte und Netze

Gurte und Netze werden über das Transportgut gespannt, um dieses zu fixieren. Dabei werden die Enden des Gurtes/Netzes in die im Boden oder in den Wänden vorhandenen Ösen oder Schienen eingehängt. Besonders in Kombinationen mit Schienen sind Gurte sehr flexibel ans Transportgut anpassbar. Die Länge des Zurrgurtes wird mithilfe des Schlosses adaptiert.

 

 

 

 

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