
Wie liefert man CO2-neutral hergestelltes Eis aus? Natürlich klima- und umweltfreundlich. Die Berliner Eismanufaktur Florida Eis green um den Chef Olaf Höhn ist eine Pionierin bei der Verbindung von Genuss mit Nachhaltigkeit: Die „große“ Lieferflotte wurde bereits auf elektrisch betriebene LKW umgestellt, doch die Eis-Auslieferung von kleineren Mengen sollte gleichzeitig emissionsfrei und flexibler gestaltet werden – mit Lastenrädern, auch im Rahmen von Ich entlaste Städte 2.
„Im Rahmen des Lastenradtests sammeln wir Erfahrungen und teilen sie, damit es mit der abgasfreien Logistik endlich vorangeht,“ sagte Olaf Höhn.
Nutzungsprofil: Eis-Auslieferung
- Ladegut: Styroporboxen, befüllt mit Speiseeis, plus Trockeneis zur Kühlung. Das Trockeneis hält das Eis in den Boxen bis zu 24 Stunden kühl, weswegen die Lastenräder kein Kühlaggregat benötigen. Allerdings erhöht sich die Gesamtmasse der Fracht auf bis zu 200 Kilogramm je Fahrt.
- Fahrprofil: Tägliches Auffüllen von Florida-Eis-Tiefkühlern im Einzelhandel, bspw. in Spätis. Die Tagesfahrleistungen an den meisten Nutzungstagen lagen zwischen 48 und 67 Kilometern und waren damit sehr hoch.
- Weiterer Fuhrpark: Unter dem Motto „CO₂-frei durch Berlin – mit smarter Kühlung und E-Antrieb“ hat Florida Eis auf E-Mobilität umgestellt und nutzt Elektro-Transporter und Elektro-LKW. Diese werden mit Solarstrom geladen und sparen 3-5 Liter Diesel pro Stunde ein. Die Angabe der Ersparnis pro Stunde ist ungewöhnlich, hat aber einen technischen Hintergrund: Die Lieferfahrzeuge haben ein Kühlaggregat, und diese laufen traditionell mit Diesel. Eine Umstellung der Flotte auf elektrischen Antrieb und elektrische Kühlung entlastet die Umwelt doppelt von Abgasen und Lärm.
Robustheit, Kosten und Reichweite zählen
Florida Eis nutzt die Fahrzeuge im Fuhrpark intensiv: Erstens ist das Ladegut sehr schwer und zweitens sind die täglichen Fahrleistungen aufgrund des nicht zentral liegenden Firmensitzes sehr hoch. Deshalb sind die technischen Anforderungen an die Fahrzeuge überdurchschnittlich hoch, sowohl an Reichweite als auch an Zuverlässigkeit und Wartungskosten.
Aus diesen Gründen hat Florida-Eis zwar keines der Test-Lastenräder in den Fuhrpark übernommen, dennoch wurde nach dem Test auf Grund der gesammelten Erfahrungen ein vergleichbares Schwerlastenmodell von VOWAG beschafft. Dieses bietet mehr Zuladung als die Lastenräder im Test, nämlich bis zu 400 Kilogramm.
Die Lastenräder in der Flotte entlasten nun die Transporterflotte, indem sie genau die Fahrten übernehmen, die für sie gut geeignet sind – also Kleinaufträge. Dadurch können die Transporter besser eingesetzt werden, da diese dann für Großaufträge unterwegs sind.
Im Lastenradtest: Schwerlastenrad, Longjohn und Anhänger
Florida Eis green testete folgende Modelle:
- Schwerlastenrad EAV: Die Kombination aus vier Rädern, Wetterschutz und hoher Nutzlast ist für Eis-Auslieferfahrten interessant. Testfazit: Das Fahrzeug war für den harten Einsatz für die Eigen-Logistik mit schwerer Fracht und schlechten Radwegen nicht robust genug.
- Bayk: Das Bayk kam gut an. Dank einer Konfiguration mit Doppel-Akku im Fahrzeug war die Reichweite hoch und das Fahrgefühl bequem.
- Longjohn Larry vs Harry eBullit mit Convoy Box: Für kleine Eis-Bestellmengen ist die Transportkiste groß genug, der Schwerpunkt war aber der Einsatz als Anhänger-Zugfahrzeug.
- Anhänger Carla Cargo mit Paul Plane: Dieser Anhänger wird an das Larry vs Harry eBullitt gekoppelt. Dank des Aufbaus aus Plane und Spriegel lassen sich Eis-Kühlboxen besonders einfach beladen. Nachteil: Das Gespann aus Lastenrad und Anhänger ist lang. Die Wendigkeit ist stark reduziert, was gerade bei innerstädtischen Lieferungen mit vielen Stopps und Wendebedarf auffällt.
Wie geht es weiter?
- Lastenräder sind für Florida Eis nach wie vor hoch interessant. Vor allem die Führerscheinfreiheit erleichtert das Finden von Fahrpersonal.
- Eine Herausforderung ist die Fahrzeugwahl: Robuste Fahrzeuge mit hoher Zuladung, gutem Service und angenehmem Fahrkomfort zu einem erschwinglichen Preis sind nicht einfach zu finden.
Fazit
Auch für ein Unternehmen mit viel Erfahrung in der Eigen-Logistik wie Florida Eis ist die Wahl der passenden Fahrzeuge nicht einfach. Letztlich zeigen sich die Stärken und Schwächen erst im alltäglichen Einsatz oder bei umfangreichen Probefahrten.
Im Video: Interview mit Olaf Höhn, Chef von Florida Eis green in der Sendung „Fashion & Faces“ im Spreekanal Berlin